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26.07.2021

SZ (Saarbrücker Zeitung)

Nur ein Jahr nach dem vorigen Album bringt das saarländische Pop Duo "Perlregen" schon sein nächstes Werk raus: "3" heisst es ganz schlicht. 

Martina Schlaucher und Thomas Lapp verraten, warum sie sich mit "3" auch mehr und mehr aus den Zwängen des Pop Business' lösen.

Von Marko Völke

SAARBRÜCKEN "Die Corona-Krise war für uns auch ein Multiplikator", steht für Martina Schlaucher und Thomas Lapp fest. Da Pop-Duo "Perlregen" legt am 13. August, nur zwölf Monate nach dem Vorgänger, sein neues Album "3" mit insgesamt 15 neuen Titeln vor.

"Was hätte man auch sonst in dieser Zeit machen sollen?", sagt das Paar lächelnd.

Bis zum Ausbruch der Pandemie hatten sie über 450 Live Auftritte, den Großteil davon im mondänen "Brenner's Parkhotel" in Baden-Baden. Jeweils einen Monat lang traten sie dort fünfmal wöchentlich und zweimal am Tag mit Hits und Klassikern vor Promis wie Schlager-Ikone Tony Marshall und den Metal-Urgesteinen von AC/DC auf.

Doch dann ließ Corona alle ihre Engagements platzen.

"Aber eigentlich war es ja unser Traum, jedes Jahr ein Album zu veröffentlichen", sagt Schlaucher. Nachdem die beiden 2018 ihr Debüt "Meine Welt" auf den Markt gebracht hatten, mit dem sie überregional bekannt wurden, dauerte es bis zum Nachfolger "Zu Zweit" 2020 dann erst mal zwei Jahre.

Doch nun kommen sie mit "3" ihrem Ziel wieder ein Stückchen näher. "Das wäre zwar sehr sportlich aber nichtsdestotrotz zu schaffen", meint die Sängerin.

Thomas Lapp, der aus Saarbrücken stammt, ergänzt: Ihre Arbeit am neuen Werk sei auch dadurch beschleunigt worden, dass dieses ausschließlich in ihrem eigenen Studio in Dringen entstanden ist. So müssten sie bei den Aufnahmen nicht warten, bis sie endlich an der Reihe sind. Von den Songs bis zur Gestaltung des CD-Covers haben die beiden Saarländer bei allem selbst Hand angelegt. "Es ist für uns ein Luxus, dass wir machenkönnen, was und wann wir es wollen", betont der Gitarrist.

Corona habe übrigens ihre Entwicklung weg von den Zwängen des Musikgeschäfts beschleunigt. Angebote von großen Plattenfirmen und von Star-Komponist Ralph Siegel lehnten sie schon vor der Krise ab. "Die haben uns die Augen geöffnet", sagt Lapp. So habe man ihnen auch öfter zu verstehen gegeben, dass ihre Musik zwar tolles Potenzial besitze, aber sie nun mal leider keine 18 mehr seien; der Jugendlichkeitswahn der Branche.

Heute steht für Schlaucher fest: "Warum auf die anderen hören? Ich will so klingen, wie ich will." Und so ist auf "3" auch ein Song namens "Ich geb' nicht auf, bis ich fliegen kann" zu finden. Wenn sie sich ein Ziel gesetzt hat, damachte sie dieses auch umsetzen. Ihr Wunsch, für "Perlregen" ist übrigens, ihre Musik noch weiter zu verbreiten und mehr Leute zu erreichen. 

Die Texte der 15 Songs auf "3" bezeichnet Schlaucher als "kompletten emotionalen Wellengang, den jeder in der Corona-Zeit erlebt hat". So handelt "Fängst mich auf" davon, wie wichtig es gerade in diesen Zeiten ist, einen starken Partner - wie in ihrem Falle Lapp - an seiner Seite zu haben, mit dem man zusammen alles meistern kann. Und in "Egoist" gehe es "um Charaktere, die gerade in der Corona-Zeit klarer geworden sind".

Auch musikalisch sei das Album sehr vielseitig geworden, ergänzen beide. Während andere Songs extrem rockig seien, komme "Wir waren noch Kinder" dagegen "total lieb" daher. In dem Lied ist auch die befreundete Musikerin Jennie Kloos mit ihrem Nachwuchs zu hören.

Schlaucher und Lapp sind wiederum selbst für andere Künstler aus der Region tätig. Aktuell produzieren sie in Zusammenarbeit mit Gunni Mahling eine CD mit eigenen Weihnachtsliedern von saarländischen Musikern. Technisch hätten sie in der Corona-Zeit ebenfalls viel dazu gelernt und nicht nur ihr Homestudio aufgerüstet. So machte das Paar sein erstes Zoom-Konzert aus dem Wohnzimmer: "Ich habe gleichzeitig gesungen und die Kameras bedient - das war schon eine Herausforderung", sagt Schlaucher.

Inzwischen streamen sie auch Auftritte ihrer Kollegen.

Und wie geht es für "Perlregen" in der Pandemie mit Live-Auftritten weiter? Da das "Brenner's Parkhotel" kürzlich einen neuen Direkt bekommen habe, sei es erst mal unklar, wie es mit ihren dortigen Engagements weitergeht. Im Moment würden sie es auch gar nicht schaffen, dort regelmäßig zu spielen: "Unser Terminplan ist voll", freuen sie sich. Anfragen für Live- Auftritte wie am 31.Juli in Pirmasens und am 1. August in Losheim am See kämen momentan zwar nur kurzfristig rein - aber dennoch hätten sie alle Hände voll zu tun.

So wollen sie zu jedem der 15 Titel auf dem neuen Album Videoclips drehen. "Zudem schreiben wir auch schon wieder an den nächsten Songs", sagt Schlaucher. Dazu gehört ein Titel für eine Tänzerin und Buchautorin Tina Gizella Klewin, die in dem Video zu ihrem Lied "Glaspalast" mitspielt. Und nachdem die beiden mit der Ballade "Sternenkind", die von Eltern handelt, die während der Schwangerschaft oder nach der Geburt ihr Kind verloren haben, die Arbeit des saarländischen Vereins der Sternenkinder unterstützt haben, arbeiten sie nun an einem Titel für ein Projekt in Thüringen, das krebskranken Kindern hilft.

SR Fernsehen
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mit Perlregen

Musikalisches Feedback von Ingo Ruff (Die Stimme der Bahn)

Perlregen - 3: Wie sagt man so schön... Wir sind von den Socken! Ein Album, welches uns  d u r c h g ä n g i g  gefällt! Ein super interessantes und anspruchsvolles Album, das wie kaum ein anderes so perfekt in diese Zeit passt! Hoffentlich nicht zu anspruchsvoll für die - und den Eindruck haben wir - immer oberflächlicher werdende Gesellschaft, in der Gefühle und Toleranz mehr und mehr zur Randerscheinung verkommen und der Egoismus immer mehr an Einfluss gewinnt. Dieses Album ist ein gutes Beispiel auszudrücken, was uns als Individuen ausmacht! Wenn wir uns entscheiden müssten, welcher wohl der beste Song auf diesem Album ist, so wäre das eine Herkulesaufgabe, denn alle Songs zeugen von herausragender Qualität! Ein tolles Album mit Tiefgang! Das berührt wirklich! Wenn es Events (wieder) gäbe, wäre Perlregen auf unserer „Einkaufsliste“ :-)! Neben den bereits angekoppelten Singles sehen wir auch „Wir waren noch Kinder“, „Wunderkerzen“ und „Wir kommen und gehen“ als potentielle Hits! Dieses Album haben wir bereits zwei Mal hintereinander durchgehört und es wird immer besser! Wirklich großes Kino! Keine Abnutzungserscheinungen, wie es sie viele bei Pop-Alben gibt! Natürlich fragen wir uns, warum wir diese Band nicht schon früher auf dem Schirm hatten? Toll, dass es jetzt soweit ist! Eine Bereicherung für die Kunst, die Musik, den Geist und die Gesellschaft! Jeder Radioredakteur sollte hier seinen passenden Song für die Rotation finden. Bei uns sind es alle!!! Und das soll nicht übertrieben klingen ...

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